Im Münchner
Osten, wo der Berg ruft -
Starkbierfest
auf dem Nockherberg
Nach der Faschingszeit, in
der Regel um den Josefi-Tag (19. März), der
früher einmal in Bayern ein gesetzlicher
Feiertag gewesen ist, beginnt zwischen der Au und
Giesing auf dem Nockherberg das Starkbierfest, wo
dann die »fünfte Jahreszeit« eingeläutet und
der weltberühmte Salvator siebzehn Tage lang
ausgeschenkt wird. Diese Tradition ist auf
Klosterbrüder zurückzuführen, die während der
strengen Fastenzeit ein besonders nahrhaftes,
körperstärkendes Bier brauten. Berühmtester
Braumeister war Frater Barnabas, der ab 1773 die
Paulaner Klosterbrauerei leitete. Seine
ursprüngliche Rezeptur ist bis heute so gut wie
nicht verändert worden. Zur kostenlosen
Bierprobe kam früher der Kurfürst, später der
König, und heutzutage kommt die politische und
sonstige Prominenz. Der Landesvater bekommt dann
nicht nur die erste Maß eingeschenkt, sondern er
muß sich auch das traditionelle »Derblecken«,
was soviel heißt wie »auf die Schippe nehmen«,
gefallen lassen. Wer keine Einladung zum
Freibierausschank erhält, bekommt
Minderwertigkeitskomplexe. Und wer in der
Salvator-Rede nicht gefrozzelt wird, muß schon
über den Schwund seiner Popularität
nachgrübeln. Der über die bayerischen Grenzen
hinaus berühmte Salvator-Anstich mit dem
zwerchfellerschütternden
»Politiker-Derblecken« unter Vorsitz des Bruder
Barnabas findet heuer zum 61. Male nach dem
Zweiten Weltkrieg in den modernen Räumen des
neuen »Paulaner am Nockherberg«
statt. (Paulaner am Nockherberg, Hochstraße 75,
81541 München). Termin:
03.03.2010 19:00 Uhr
(bereits am Mittwochabend statt früher immer
Donnerstagvormittag). Bei dieser traditionellen
Veranstaltung finden ausschließlich geladene,
schon Monate zuvor durch die Brauerei
auserwählte Gäste Einlaß. Der Rest der
Münchner und Auswärtigen, diejenigen, die
keinen sogenannten Freibier-Kopf haben, zahlen
ihre Frühlings-Starkbier-Kur aus eigener Tasche,
pilgern trotzdem scharenweise zum Starkbierfest
und sind auch recht zufrieden dabei.
In diesem Jahr schlüpfte
leider zum letzten Male der Schauspieler und
bisheriges Nockherberg-Stoiber-Double Michael Lerchenberg in
das Bußgewand des Bruder Barnabas, um der
Polit-Prominenz die Leviten zu lesen. Auch seine
wortgewandten Vorgänger sind uns in guter
Erinnerung geblieben. Der erste Salvatorredner
war im Jahre 1891 der Münchner Humorist und
Volkssänger Jakob Geis.
Ihm folgten Weiß Ferdl
(1922-1932), Adolf Gondrell,
der erste »Nachkriegs-Barnabas« (1951-1953), Roider Jackl
(1954-1974 ?), Emil Vierlinger
(bis 1979 ?), Michl Lang
(?), Ernst Maria Lang
(?), Franz Schönhuber (?), Klaus Havenstein
(1981), Walter Sedlmayr
(1982-1990), Max Grießer
(1992-1996), Erich Hallhuber
(1997-1998) und Gerd Fischer (1999-2003), Die
Reden der Fastenprediger stammten von 1982 bis
2003 aus der Feder des Journalisten und
Satirikers Hannes Burger.
Die nachfolgenden Fastenprediger schrieben ihre
Reden selbst: Bruno
Jonas (2004-2006), Django Asül
(2007) und Michael Lerchenberg
(2008-2010). (Im Jahr 1991
sollte Toni Berger
zum Einsatz kommen, wegen des Golfkrieges mu0te
die Starkbierprobe gänzlich ausfallen; ebenfalls
im Jahre 2003 war der Starkbieranstich wegen des
Beginns des Irak-Kriegs abgesagt worden, nur die
Generalprobe hatte vor laufenden Kameras
stattgefunden.) Im
anschließenden Singspiel ünterstützen
zahlreiche Imitatoren Bruder Barnabas, indem sie
die Politiker, vornehmlich den bayerischen
Ministerpräsidenten und die deutsche
Bundeskanzlerin, wirklichkeitsnah darstellen. Der
überwiegende Teil der Zuschauer fanden den
Auftritt des «Bruder Barnabas« 2010 inhaltlich
einer der Besten überhaupt. Michael Lerchenberg
vermochte mit Sachkenntnis und Talent die
Missstände in Regierung und Gesellschaft
vortrefflich zu benennen.
Die Starkbierzeit auf dem
Nockherberg startet heuer am Freitag, den 05. 03.
2010 um 14:00 Uhr, dauert bis einschließlich
Sonntag, den 21. 03. 2010 um
23:00 Uhr und findet im Paulaner Festsaal von
Wirt Peter Pongratz statt. Der
dreitausend Personen fassende Saal wird am Abend
brechend voll. Ein zünftiges Orchester bringt
Stimmung in die Massen. Es ist ratsam, Plätze
reservieren zu lassen. Die
aktuelle Telefonnummer des
Paulaner-Starkbierbüros entnehmen Sie bitte der
offiziellen Internetseite »Paulaner
am Nockherberg«
(E-Mail-Adresse: info@nockherberg.com).
Nicht nur am Nockherberg ist
Starkbierzeit, auch in anderen Teilen Münchens
und Bayerns gelangen in der »fünften
Jahreszeit« Starkbiere zum Ausschank: im
Löwenbräukeller der bekannte Triumphator, im
Hirschgarten der Augustiner Maximator, in
Haidhausen der Unimator usw. Bitte beachten Sie
weiterführende Links unten auf dieser Seite.
|