Die vier Grundstoffe
Malz
bestimmt Alkoholgehalt und Farbe des Bieres. Hopfen
gibt dem Bier Würze, macht es herb oder mild und
schenkt ihm seine beruhigende Wirkung. Wasser
teilt dem Bier bestimmte Mineralien mit und wirkt
dadurch auf das Geschmacksbild ein. Hefe
bewirkt die alkoholische Gärung und entscheidet
über die Bierart, ob obergärig oder
untergärig.
Biere - Biere - Biere
Das Riesenangebot unterschiedlichster Biere ist
verwirrend. Besonders wenn man sich nicht nur auf
dem heimischen Markt, sondern auch international
ein wenig auskennen möchte. Da ist es gut, wenn
man ein paar Schubladen hat, mit Hilfe derer man
eine Grobsortierung vornehmen kann: Der
Gesetzgeber unterscheidet bei der Biersteuer nach
Biergattungen. Der Fachmann unterteilt
darüberhinaus nach Bierarten und Biersorten. Die
vier Biergattungen unterscheiden sich nach ihrem
Stammwürzegehalt. Das hat vorwiegend steuerliche
Gründe. Der Staat erhebt Steuer auf Alkohol. Da
der Alkoholgehalt eines Bieres im wesentlichen
von seiner Stammwürze abhängt, hat der
Gesetzgeber die Einteilung nach Stammwürzegehalt
gewählt. Danach haben:
Einfachbiere bis zu 7%
Schankbiere 7% bis unter 11%
Vollbiere 11% bis unter 16%
Starkbiere über 16% Stammwürzgehalt.
Den
unangefochtenen ersten Platz in der Gunst der
Bierfreunde nimmt dabei das Vollbier ein. Über
96% der Biere werden gegenwärtig als Vollbiere
eingebraut.
Machen wir uns noch einmal klar: Alle Bierarten
und -sorten, auch die Leichtbiere und
alkoholfreien, enthalten Stammwürze. Sie wären
sonst keine Biere. Alle Bierarten und -sorten
werden daher auch von den Biergattungen erfaßt.
Man
unterscheidet untergärige und obergärige
Biere:
Untergäriges Bier gärt länger und braucht auch
eine längere Reifezeit zur Ausbildung seiner
vollen Geschmacksharmonie. Dafür schmeckt es
voller, steht klarer und strahlender im Glas und
läßt sich erheblich länger lagern.
Insbesondere die letztgenannte Eigenschaft hat
den untergärigen Biersorten ihr überregionales
und internationales Renomee verschafft. Sie
konnten und können auch außerhalb ihrer engeren
Heimat in immer gleichbleibender Qualität
genossen werden. Weit über 80% des
Bierausstoßes in Deutschland werden heute als
untergäriges Bier gebraut.
Obergäriges Bier ist das ursprüngliche,
unkompliziertere Bier. Es gärt schneller, kommt
daher mehr oder weniger unausgereift auf die
Flasche und verdirbt schneller. Aus diesem Grund
ist es typisches Regionalbier
und für den raschen Verbrauch bestimmt. Fast
alle englischen Biere sind obergärige Biere. Sie
enthalten im allgemeinen Zusätze oder müssen,
wenn sie für den Export bestimmt sind,
pasteurisiert werden.
Bier-ABC
Alt,
Altbier: Ein kupfer- oder
bernsteinfarbenes Vollbier, hopfenbitter und
malzig, dessen Name von der traditionellen, der
"alten" Brauart herrührt, nach der es
gemacht ist. Dieser traditonelle Biertyp stammt
aus Nordwestdeutschland, vornehmlich aus der
Region Düsseldorf und Münster.
Berliner
Weiße: Ein helles, bekömmliches
Schankbier mit 7 bis 8% Stammwürze. Gebraut aus
einer Mischung von Gerstenmalz und Weizenmalz,
wird es einer Milchsäuregärung ausgesetzt und
schmeckt daher angenehm säuerlich. Als Weiße
mit Schuß ist es eine Art Nationalgetränk.
Bitter
Ale: Beliebtestes Bier in England. Ein
Faßbier mit 3 bis 5%vol Alkohol, kupferfarben,
sehr stark gehopft und daher besonders bitter und
malzig.
Bock,
Bockbier: Ein untergäriges Starkbier
mit einem Stammwürzegehalt von mindestens 16%.
Es ist alkoholreich und schmeckt, da
ausschließlich auf Malzbasis hergestellt,
ausgesprochen malzig. Aus einer langen Reifezeit
resultiert ein reiner, frischer, allgemein leicht
in Richtung Schokolade tendierender Geschmack.
Bockbier wird dunkel wie auch hell gebraut.
Vereinzelt stellen Brauereien auch obergärige
Bockbiere her. Bockbiere kommen am besten zur
Geltung, wenn man sie ungekühlt, also bei etwa
16°C trinkt.
Doppelbock:
Ein extra starkes Bier mit 18% Stammwürze, also
stärker als Bockbier (aber nicht doppelt so
stark) und intensiv malzig. Zu den
Doppelbockbieren zählen auch die
Frühjahrs-Starkbiere wie Salvator, Triumphator,
und so weiter.
Dunkles
oder Münchner Dunkles:
Herkunftsbezeichnung für ein mit dem harten
Münchner Wasser gebrautes, kupfern bis
dunkelbraunes Vollbier mit vergleichsweise
niedrigem Alkoholgehalt und vollem, reichen
Geschmacksvolumen. Das dunkel gebraute Bier
schmeckt leicht süß, würzigmalzig, mit einer
leicht schokoladigen oder karamelartigen Süße.
Export
oder Dortmunder Export: Ein helles,
kräftiggelbes bis goldfarbenes Vollbier mit
mindestens 12,5% Stammwürze. Das traditionelle
untergärige Bier hat seine Heimat in der
westdeutschen Stadt Dortmund (Dortmunder Export).
Das vergleichsweise alkoholreiche Exortbier ist
herber im Geschmack als das Münchner, aber nicht
so bitter wie das stärker gehopfte Pils.
Helles
oder Münchner Helles: Bezeichnung für
ein hell gebrautes normales Vollbier. Das helle,
goldgelbe Lagerbier Münchner Art zeichnet sich
durch Ausgewogenheit mit leichter Malznote aus.
Ein Helles ein heller wie ein Dortmunder,
körperreicher und weniger hopfenbetont als ein
Pilsner.
Irish
oder Irish Red Ale: Leicht süßes,
malziges und schwachgehopftes Ale zeigt eine
rötliche, von der gerösteten Gerste kommenden
Färbunge. Als ein Bier mit leichten bis
mittleren Körper ist das Irish Ale von der
schottischen Brautradition beeinflußt. Auch
einige untergärige Lager weren auf der Basis
dieses Biertyps hergestellt.
Kölsch:
Ein blankes, hellblondes oder goldgelbes,
obergäriges Vollbier, das nur im Kölner Raum
gebraut werden darf und dort auch eine eigene
Schankkultur entwickelt hat. Es hat einen
Alkoholgehalt von durchschnittlich 4,7%vol, ein
feinherbes Hopfenaroma und schmeckt überaus
erfrischend.
Lagerbier:
Ein fließender Begriff, der sich ursprünglich
aus dem hervorstechendsten Merkmal untergäriger
Biere herleitet: ihrer Lagerfähigkeit.
Bezeichnet heute überall in der Welt ein
normales bis hochwertiges Vollbier hellen Typs.
Märzen:
Ein sattgelbes bis goldfarbenes Vollbier
mit einem Stammwürzegehalt von 13 bis 14%. Es
wurde früher, als man Untergärige nur im
Winterhalbjahr herstellen konnte, im März
besonders alkoholreich gebraut, damit es sich
über den Sommer hielt, und zur Festbierzeit
ausgeschenkt. Das typische Oktoberfestbier.
Maibock:
Ein kräftig gefärbtes, aber hell gebrautes
Bockbier mit einer Mindeststammwürze von 16%. Es
wird im Frühjahr angeboten, wie früher das
Sommerbock-Bier im Sommer und das
Weihnachtsbock-Bier zur Weihnachtszeit.
Malzbier:
Ein braunschwarzes Bier, süß und alkoholarm
(ca. 1%vol Alkohol). Die Stammwürze von 7% kann
mit karamelisierten Zucker auf einen Extraktwert
von 12% gebracht werden.
Pale
Ale: In der Regel ein Flaschenbier
englischen Typs - hell, stark gehopft,
erfrischend und herb.
Pils,
Pilsner: Ein helles, grüngelbes
Vollbier, gebraut mit weichem Wasser. Der
feinbittere Geschmack und sein fester, sahniger
Schaum deuten auf den hohen Hopfenanteil hin. Auf
eine Herkunft aus Pilsen kann man nur bei der
Bezeichnung Pilsner Urtyp schließen. Die
deutsche Brauweise des Pilsners Bieres, oftmals
einfach nur Pils genannt, ist leichter,
spritziger, läßt aber einiges von der
Komplexität des tschechischen Originals
vermissen.
Rauchbier:
Ein Bier mit ausgeprägten Raucharomen,
die durch das Trocknen des Malzes über
Buchenholzfeuer erreicht werden. Der
Rauchgeschmack kann von leicht bis kräftig
reichen, dominiert aber stets durch Süße oder
Bitterkeit. Das dunkle, bernsteinfarbene bis
braune Bier kann sowohl unter- als auch
obergärig hergestellt werden. Am bekanntesten
ist das Schlenkerla-Bier in Bamberg.
Stout
(Guinness): Fast schwarzes, sehr starkes
Bier aus geröstetem Malz mit sahnig-weichem
Geschmack.
Weißbier,
Weizenbier: Ein Vollbier mit etwa 11%
Stammwürze. Es wird aus einer Mischung von
Gerstenmalz und Weizenmalz gebraut, enthält viel
schäumende Kohlensäure und schmeckt besonders
erfrischend. Hefeweizen ist ein
ungefiltertes Weizenbier, sehr trübe und zeigt
Hefeablagerungen. Im scharfen Gegensatz dazu ist
das Kristallweizen ein gefiltertes
Weizenbier, klar und hell im Aussehen, glatt und
sauber im Geschmack, ohne Hefearoma oder
Hefegeschmack. Dunkelweizen vereinigt
das Säuerliche des Weizenbieres mit den röst-
oder schokoladenartigen Noten der dunklerenn
Malze, es ist körperreicher als die anderen
Weizenbiere. Weizenbock ist ein
mittelschweres Bock auf Weizenmalzbasis. Es wird
mit über 16% Stammwürzegehalt gebraut. Die
Farbe kann von Kupfer bis Dunkelbraun reichen,
wobei die dunkleren Biere einen ausgeprägten
Röstgeschmack ihr eigen nennen.
Wiener:
Ein bernsteinrotes, untergäriges Bier, das in
den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts durch den
österreichischen Braupionier Anton Dreher
entwickelt wurde und mit seinem mittelschweren
Körper sich eindeutig malzig zeigt, mit einem
Röstgeschmack, der durch die leichte Bitterkeit
des Hopfes kompensiert wird. Dieser Biertyp wird
heute durch die Märzen-Biersorten wiedergegeben.
Leichtbiere
und alkoholfreie Biere: Sowohl die
Leichtbiere wie auch die alkoholfreien Biere
werden als Schankbier oder Vollbier gebraut. Und
zwar nach dem Reinheitsgebot wie jedes andere
auch. Ihre Stammwürze enthält dementsprechend
die gleiche Menge an Malzzucker, Eiweiß,
Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen wie
diese. Ihnen werden lediglich Alkohol und damit
auch Kalorien entzogen. Das geschieht entweder
durch Unterbrechen der Gärung oder durch
bestimmte physikalische Eingriffe.
Leichtbier wird so mindestens ein Drittel seines
Alkohols und seiner Kalorien entzogen. Es
enthält nicht mehr als 3,4%vol Alkohol, in der
Regel weniger, und kommt dann auf 380 Kalorien
pro Liter, das ist die Hälfte des
Kaloriengehalts eines Liters Traubensaft. Zwei
Liter Leichtbier, im Verlauf von drei Stunden
genossen, lassen den Alkoholspiegel im Blut nicht
über 0,1 Promille ansteigen.
Alkoholfreie Biere enthalten nach der
Alkoholreduzierung entsprechend den gesetzlichen
Bestimmungen nur noch einen Restalkoholgehalt von
0,5%vol. Das ist, wenn man von Alkoholkranken
einmal absieht, ein gesundheitlich völlig
unbedenklicher Wert, der nicht höher liegt, als
der für Fruchtsäfte zugelassene. Die
Brauwirtschaft wehrt sich daher auch gegen
Bestrebungen der zuständigen EU-Kommission, den
zugelassenen Höchstwert zu senken. Alkohol ist
nun einmal auch beim Bier die Substanz, an die
wesentliche Geschmacksstoffe gebunden sind.
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